Über 60 Katholikentagshelfer übernachten in der Werkstraße / Keine Unterkunft für Vorkommando in Mannheim
Feldbetten für den Führungsstab
"Ein Bett wäre nett." Dieser Werbespruch der Organisatoren des 98. Katholikentags in Mannheim geistert vor Wochen auch durch das Generalsekretariat der Malteser in Köln. Ein Vorkommando mit rund 60 Helfern sucht eine Übernachtungsgelegenheit an den zwei Tagen vor Beginn des Großereignisses in der Quadratestadt. Doch dort ist kein Bett frei.
"Die Integrierte Gesamtschule Herzogenried (IGMH) ist erst ab Mittwoch für unsere 530 Helfer geräumt", erklärt Malteser-Einsatzleiter Benedikt Liefländer. Ausgerechnet jetzt stecken die Kollegen der Mannheimer Malteser mitten im Umzug ihrer Wache. "Das heißt, wir haben keine Dusche", sagt Helfer Wolfgang Hettinger und zuckt entschuldigend mit den Schultern. In Köln raucht Einsatzleiter Liefländer der Kopf: "Wo sollen wir schlafen?" Die Lösung liegt zwar jenseits der baden-württembergischen Landesgrenze, ist aber dennoch nur einen Katzensprung von Mannheim entfernt: die Unterkunft der Viernheimer Malteser.
Zahl der Gäste steigt täglich
Die laden das verzweifelte Vorkommando mit den führenden Einsatzkräften des Unterkunftsmanagements, der Fernmeldetechnik und des Logistikbereiches spontan zu sich ein, allerdings ohne zu wissen, was sie erwartet. "Zuerst war die Rede von 20 Übernachtungsgästen", sagt Helfer Jürgen Miedniak. Doch die Zahl wird täglich größer, bis sich am Ende über 60 Malteser aus Bonn, Vechta, Würzburg, Östrich-Winkel, Memmingen und Köln ankündigen. Da reicht auch die Kapazität der Viernheimer Unterkunft nicht mehr aus.
Fahrzeughalle geräumt
Die erfahrenen Katastrophenschützer wissen sich aber zu helfen. Bereits am Samstag fahren die Malteser ihre Rettungswagen, den Laster und den Gerätebrummi aus der Fahrzeughalle, um drinnen Platz für drei große Mannschaftszelte zu schaffen.
Zeltheizungen sollen die nächtliche Kühle vertreiben, Bierbänke und -tische dienen als Frühstückszimmer, eine große Edelstahlspüle, in der die Katastrophenschützer sonst bei Großeinsätzen ihre Küchenausrüstung schrubben, bietet Platz für fünf Zähneputzer gleichzeitig. Sogar für das Duschproblem finden die Helfer eine Lösung. Um zu verhindern, dass die 60 Gäste vor der kleinen Duschzelle der Rettungswache Schlange stehen, haben sich die Malteser den Schlüssel für das Waldschwimmbad gesichert. Dort gibt es mehr als genug Duschen.
"Es ist unheimlich nett, dass Viernheim uns eingeladen hat", sagt der erfahrene Großeinsatz-Organisator Liefländer, der den Stadtbeauftragten der Viernheimer Malteser, Friedrich Häffner, schon vor vielen Jahren bei einem Erdbebeneinsatz in der Türkei kennengelernt hat. Ihm ist mit der Einladung in die Werkstraße nicht nur in organisatorischer Hinsicht ein Stein vom Herzen gefallen. "Es ist auch schön, bei solchen Einsätzen andere Malteser kennenzulernen", sagt er.
Dass das Schlafzimmer ein wenig spartanisch ausfällt, tut er mit einem Schulterzucken ab: "Es ist ziemlich feldmäßig, aber das kann ja auch schön sein." Wert legt der Kölner darauf, dass vom Führungsstab bis zum Helfer alle in einem Zelt schlafen: "Das hat bei uns Tradition".
Dann unterbricht Liefländer den gemütlichen Begrüßungs-Grillabend und trommelt seinen Führungsstab zu einer Lagebesprechung zusammen. Immerhin müssen die Helfer bis zum Start des Katholikentags von der Sicherung der Funkverbindung bis zur Verteilung der Feldbetten auf die Klassenzimmer der IGMH noch einiges organisieren. Apropos Feldbetten: Wenn der Führungsstab seine Betten am Mittwoch nach Mannheim verlegt, reisen zwölf Viernheimer Helfer gleich mit, um in der Nachbarstadt als Notarzt, Rettungsassistent oder technischer Leiter mit anzupacken. Für deren Übernachtung müssen dann zur Abwechslung mal die ehemaligen Gäste sorgen.
© Kathrin Miedniak, Südhessen Morgen, Mittwoch, 16.05.2012, |